Abos werden teurer: Schießen sich Netflix, Sky und DAZN ein Eigentor?

In den USA ist es schon passiert, hier wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit: Netflix ist teurer geworden. Auch DAZN- und Sky-Kunden müssen in Zukunft für ihre Abonnements tiefer in die Tasche greifen. Dass Streaming-Dienste jetzt an der Preisschraube drehen, könnte sich als Schuss in den Ofen erweisen. Eine Analyse von Anna Schmid.

Netflix wird teurer: Diese Schlagzeile war in den vergangenen Tagen bei so einigen Online-Portalen zu lesen. Die jeweiligen Artikel bestehen nahezu alle aus einer guten und einer schlechten Nachricht.

Die gute: Netflix erhöht vorerst nur in den USA und Kanada die Preise. Die schlechte: In der Vergangenheit drehte der Streaming-Dienst kurz nach US-Änderungen auch in Deutschland an der Preisschraube. Die einzige Plattform, die künftig mehr kostet, wäre Netflix damit nicht.

Auch Sky-Kunden müssen ab 1. Februar tiefer in die Tasche greifen, genauso wie Personen, die an einem DAZN-Abo interessiert sind. Streaming wird immer teurer, so viel steht fest. Einen Gefallen tun sich die jeweiligen Anbieter damit aber nicht unbedingt.

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Einkommensschwache Familien können sich Abos nicht mehr leisten

Denn teurere Abos mögen kurzfristig den Umsatz erhöhen. Langfristig ist es aber gut möglich, dass Kunden Netflix, Sky, DAZN und anderen Streaming-Diensten den Rücken kehren, weil sie sich die kostspielige Online-Beschallung nicht mehr leisten können.

Gerade einkommensschwache Familien haben mit der gestiegenen Inflation zu kämpfen. In Zeiten hoher Lebensmittel-, Benzin- und Energiepreise überlegt man sich gleich dreimal, ob das kostenintensive Netflix-Abo wirklich nötig ist.

Daneben zerfasert der Streaming-Markt zusehends. Längst ist der Netflix-Nutzer nicht mehr nur Netflix-Nutzer, sondern hat häufig auch ein Abo bei Amazon Prime Video, Disney Plus und muss für Sportübertragungen auf Sky oder DAZN zurückgreifen. Wenn viele Streaming-Dienste teurer werden, kommt so mancher Serien-Fan wohl nicht mehr ums Aussortieren herum.

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Auch Sky hat die Preise für Bestandskunden erhöht.

dpa

Zwar können die Inhalte der Streaming-Anbieter Motivatoren sein, Plattformen wie Sky, DAZN oder Netflix weiterhin zu abonnieren. Steigt der Preis für den monatlichen Streaming-Spaß, wachsen bei vielen Nutzern aber auch die inhaltlichen Erwartungen. Das zeigt der Blick in die sozialen Netzwerke, wo regelrechte Debatten über die Preissteigerungen entbrannt sind.

«Sky kündigt per E-Mail eine allgemeine Preiserhöhung an. Bundesliga am Sonntag verloren. Champions League zur Gänze verloren. Und dennoch: Preiserhöhung», schreibt ein User im Sky-Forum. Auch andere Kommentatoren sind verärgert, «muss man nicht verstehen», lautet ein weiterer Beitrag.

Die Begründung des Unternehmens, die Abo-Kosten auf Grundlage von «Investitionen in Programmvielfalt und Produktentwicklung» zu erhöhen, können einige Nutzer also nicht wirklich nachvollziehen.

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Netflix braucht Geld, um neue Formate zu etablieren.

dpa

DAZN, wo sich die Streaming-Kosten für Neu- und wiederkehrende Kunden bald verdoppeln (das monatlich kündbare Abonnement kostet dann 29,99 Euro statt bisher 14,99 Euro pro Monat), führt ein aufgestocktes Rechte-Portfolio als Begründung an: «Damit wird die Sport-Plattform der Qualität und der Wertigkeit ihres seit Saisonbeginn stark erweiterten Angebots gerecht.»

Der Dienst war lange verhältnismäßig günstig, das Sport-Angebot ist groß: 106 Bundesliga-Spiele und fast die ganze Champions League sind seit Beginn der Saison 2021/22 auf DAZN abrufbar. Trotzdem kommt die DAZN-Ankündigung für einige Kunden einem Preis-Schock gleich. «Seid ihr des Wahnsinns?», fragt einer, ein anderer moniert: «Es wird zu Recht Kündigungen regnen!»

Und Netflix? Tatsächlich steckt der Streaming-Riese viel Geld in neue Produktionen. Die Firma Ampere Analysis schätzt, dass das Unternehmen im Jahr 2022 weltweit mehr als 230 Milliarden US-Dollar für neue Inhalte ausgeben wird. Nur Disney und Comcast übertreffen Netflix demnach in Sachen Video-Investitionen.

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«Netflix und seine Abonnenten-Basis sind abhängig vom Neuen»

Die Frage ist: Kann die Plattform auch weiterhin genügend vielversprechende, fesselnde, bahnbrechend neue Filme, Serien und Shows liefern? Denn genau dazu werden die Einnahmen aus Netflix-Abonnements großteils genutzt, wie das Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder betonte.

Wenn nicht, kündigen enttäuschte US-User ihre Abos womöglich. Genauso wie deutsche Nutzer, wenn auch hierzulande die Preissteigerung ankommt. Letztlich ist klar: Die Streaming-Preise anzuheben, mag für viele Unternehmen ein sinnvoller Schritt sein. Die schlechte Nachricht ist: Manche User werden ihn wahrscheinlich nicht mitgehen.

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Updated: 9. Februar 2022 — 14:41

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