Galeria Karstadt Kaufhof: Experte glaubt, dass es noch schlimmer kommt


Zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Jahren hat der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof Insolvenz angemeldet. Ein Drittel aller Filialen hierzulande soll schließen. Steht das Modell «Kaufhaus» vor dem Aus? Eine Analyse von Anna Schmid.

Schlechte Nachrichten sind für Galeria Karstadt Kaufhof nichts Neues. Seit Jahren steht die Warenhaus-Kette in den Schlagzeilen. Meistens geht es ums Geld – genauer gesagt, um fehlendes Geld.
So auch aktuell: Galeria Karstadt Kaufhof hat zum zweiten Mal in nur zwei Jahren Insolvenz beantragt. Ein Drittel aller 131 Filialen in Deutschland soll schließen, das verkündete das Unternehmen in der vergangenen Woche.
Grund dafür ist laut Hauptgeschäftsführer Miguel Müllenbach die historisch negative Konsumstimmung. Aber auch die allgemeine Kaufzurückhaltung der Kunden spielt ihm zufolge eine Rolle. Wegen Inflation und Energiekrise würden immer weniger Menschen in die Innenstädte strömen.

«Es wird zu weiteren Filialschließungen kommen»

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Galeria Karstadt Kaufhof könnte noch weiter schrumpfen.

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Es ist eine Entwicklung, die Galeria Karstadt Kaufhof zusetzt. Und eine, die sich fortsetzen könnte. «Es wird zu weiteren Insolvenzen und Filialschließungen kommen, sofern das aktuelle Insolvenzverfahren durchgeht», sagt Wirtschaftswissenschaftler Gerrit Heinemann im Gespräch mit CHIP.
Er arbeitet seit 2005 als Professor für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Zu Heinemanns Schwerpunkten gehören Online-Handel, E-Commerce und die Zukunft des Handels.
Für Galeria Karstadt Kaufhof zeichnet er ein düsteres Bild. «Aktuelle Studien gehen von maximal 50 Warenhausstandorten aus – vornehmlich in Metropolen beziehungsweise Großstädten mit über 500.000 Einwohnern», sagt der Ökonom.
Galeria Karstadt Kaufhof könnte also noch weiter schrumpfen. Für die rund 17.400 Mitarbeiter des Konzerns wäre das wohl eine Katastrophe: Schon jetzt bangen viele von ihnen um ihre Arbeitsplätze.
Allein in Berlin und Brandenburg stehen laut Verdi bis zu 2000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Gewerkschaft will zwar um jeden Posten kämpfen, wie Conny Weißbach, Handelsexpertin bei Verdi Berlin-Brandenburg, im rbb24 Inforadio betonte. Das ändert aber wenig an der angespannten Lage.

«Der Lebenszyklus des Warenhauses ist zu Ende»

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Galeria Karstadt Kaufhof macht hohe Verluste.

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Dass es einmal so schlecht um Galeria Karstadt Kaufhof stehen würde, war für Heinemann absehbar. «Über das Ende der Warenhäuser wird seit über 30 Jahren diskutiert», sagt er. «Spätestens seit dem Verschwinden von Horten, Hertie und Kaufring ist klar, dass der Lebenszyklus des Warenhauses zu Ende ist.»
Heinemann weiß, wovon er spricht. Am 1. November 2010 veröffentlichte er einen Text mit dem Titel «Das Warenhaus – ein Dino mit Zukunft?» in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Schon vor zwölf Jahren sah der Ökonom das Geschäftsmodell «Kaufhaus» als gefährdet an.
«Weitere Verluste sind vorprogrammiert», schrieb er. Heinemann hatte offensichtlich Recht. Heute glaubt er nicht mehr an eine Zukunft des Kaufhaus-Konzepts. «In Form von Siechtum vielleicht noch ein paar Jahre, bis der Umsatz endgültig auf Null ist», meint der Wirtschaftswissenschaftler.
Damit spielt er auf Galeria Karstadt Kaufhof an. Der Konzern verzeichnete in den vergangenen beiden Jahren hohe Verluste. 2020/21 lag der Umsatz aus dem reinen Einzelhandelsgeschäft bei knapp 1,85 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es noch 2,98 Milliarden.
Auch für das Geschäftsjahr 2021/22 rechnete die Unternehmensführung mit einem «Jahresfehlbetrag im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich».
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Aldi hat deutlich mehr Zulauf als Galeria Karstadt Kaufhof

Galeria Karstadt Kaufhof wird immer mehr aus den deutschen Innenstädten verschwinden, das ist spätestens seit den angekündigten Filialschließungen klar.
In Heinemanns Augen hat sich diese Entwicklung aber schon lange vor der aktuellen Pleite abgezeichnet. «In den meisten Oberzentren, also Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern, ist Galeria Karstadt Kaufhof ja nicht mehr vertreten», sagt er.
«Eine durchschnittliche Aldi-Filiale zieht bereits mindestens doppelt so viel Frequenz wie ein durchschnittliches Galeria-Warenhaus. Das sagt eigentlich schon alles.» Daneben boomt das Online-Shopping.
Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass im vergangenen Jahr 82 Prozent aller Deutschen übers Netz einkauften. Vor allem Kleidung bestellten sie online. Auch wenn es natürlich Verbraucher gibt, die nach wie vor gern in Warenhäusern shoppen gehen.

So können Warenhäuser eine Zukunft haben

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Gerrit Heinemann.

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Und manche Städte die Schließung einzelner Kaufhäuser sehr bedauern. «Der Karstadt fehlt», sagte Frank Helmenstein zuletzt im Gespräch mit der «Tagesschau». Er ist Bürgermeister der 50.000-Einwohner-Stadt Gummersbach. Vor zwei Jahren machte hier eine Karstadt-Filiale dicht.
Oliver Janz, Professor Handel DHBW Heilbronn, glaubt, dass das Modell «Kaufhaus» am Ende nur dann eine Zukunft hat, wenn sich einiges ändert.
«Ich muss als Händler ein Erlebnis bieten. Ich muss eine Beratung bieten. Ich muss außergewöhnliche Sortimente haben. Und all das hat im Moment Galeria Karstadt Kaufhof leider nicht», sagte er dem «SWR».
Eine Meinung, die Heinemann teilt. 2010 schrieb er: «Die Warenhäuser sind aufgrund ihrer nahezu identischen Profile für den Kunden kaum unterscheidbar.» Damit hat er wohl auch heute noch Recht.

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Updated: 11. November 2022 — 10:49

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